Nein sagen ohne schlechtes Gewissen
7 Tipps, mit denen es leichter geht
Kennst Du das Gefühl, ‚Nein‘ sagen zu wollen und dann doch wieder ‚Ja‘ zu sagen? Warum ist es so herausfordernd, Nein zu sagen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben und auch dabei zu bleiben?
Woran das liegen kann und wie es leichter gelingt, „Nein" zu sagen und auch dabei zu bleiben, erfährst Du in diesem Beitrag.
Nein sagen - Das Wichtigste in Kürze
Nein sagen fällt vielen schwer, meist steckt eine tiefsitzende Angst dahinter. Doch Nein sagen lässt sich üben. Und manchmal ist es gerade ein ehrliches „Nein", das einer Verbindung mehr schenkt, als es zunächst den Anschein hat.
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Eine Situation von damals
Wie so oft wurden in der Schule meiner Töchter Kuchenspenden gebraucht. Kaum jemand meldete sich, und der Druck in mir wurde immer größer. Soll ich wieder „Ja“ sagen, obwohl ich keine Lust hatte, zum x-ten Mal einen Kuchen zu backen?
Nein sagen fiel mir schwer. Ganz besonders dann, wenn wie in diesem Beispiel die Kinder Nachteile dadurch hatten. Die Kuchenspenden sollten die Kassenklasse auffüllen. Was nicht gelingen würde, wenn keine Kuchen verkauft werden konnten. Also sagte ich „Ja“, obwohl alles in mir „Nein“ brüllen wollte.
Warum uns das Nein so schwerfällt
Mir wurde schon ganz früh beigebracht, „Ja" zu sagen, um niemanden zu enttäuschen. Denn, was passiert, wenn wir jemanden enttäuschen? Wir werden möglicherweise nicht mehr gemocht und vielleicht sogar abgelehnt. Weil ich weder abgelehnt noch ausgeschlossen werden wollte, sagte ich „Ja".
Wenn mich jemand mehrmals streng anschaute, und ich spürte, dass derjenige ein „Ja" hören wollte, dann wurde ich innerlich immer kleiner. Kennst Du dieses innere Ringen auch?
Mit der Zeit wurde daraus ein Automatismus. Das „Ja" kam, bevor ich überhaupt gespürt habe, was ich wirklich wollte.
Manchmal war es auch gar nicht die Angst vor Ablehnung allein. Es war die Spannung, die ein „Nein" auslösen konnte, dieser kurze Moment der unangenehmen Stille zwischen mir und dem anderen. Diese Spannung auszuhalten fühlte sich schwerer an, als einfach nachzugeben.
Diese Erfahrung ist nicht nur meine. Viele Menschen kennen dieses innere Ringen zwischen dem Wunsch nach Zugehörigkeit und dem eigenen Bedürfnis nach Ehrlichkeit. Die Angst vor Ablehnung sitzt tief in uns, denn früher war Zugehörigkeit zur Gruppe überlebenswichtig. Wer ausgeschlossen wurde, war schutzlos und allein.
Auch wenn wir heute zum Überleben nicht mehr auf die Gruppe angewiesen sind, wirkt diese alte Angst oft noch nach und lässt uns lieber ‚Ja' sagen, als das Risiko einer Ablehnung einzugehen.
Was geschieht, wenn wir immer Ja sagen
Weil ich immer „Ja" sagte, fragte kaum noch jemand, ob es mir passt. Man ging einfach davon aus, dass ich Zeit hatte, dass ich einspringen würde, dass ich es schon irgendwie hinbekomme. Wie damals mit den Kuchenspenden: Es wurde nicht mehr gefragt, ob ich wollte, sondern erwartet, dass ich es tue.
Je öfter ich „Ja" sagte, desto selbstverständlicher wurde es für andere, aber nicht für mich selbst. Ich hatte immer öfter das Gefühl, dass sich dieses Verhalten so unpassend anfühlte wie eine Wanderung mit High-Heels.
Ständiges Ja-Sagen fühlt sich für mich an wie ein Fluss
Ein Fluss, dem der Weg versperrt wird. Die Energie, die eigentlich frei fließen möchte, wird nach außen umgeleitet, um die Bedürfnisse anderer zu erfüllen. Mit der Zeit entsteht so etwas wie ein innerer Staudamm, den wir dann auflösen dürfen.
Manchmal fand ich es aber auch gut, „Ja“ zu sagen, obwohl ich „Nein“ in mir spürte. Das „Ja“ gab mir das Gefühl, gebraucht zu werden und wichtig zu sein.
So kannst Du Nein sagen lernen
„Nein“ sagen ist keine Eigenschaft, die man hat oder nicht hat. Es ist eher wie ein Muskel, den wir trainieren dürfen. Je öfter ich „Nein" sagte, natürlich nur dann, wenn ein „Nein" wirklich in mir war, desto leichter fiel es mir.
Wie bei jedem Training braucht es von Anfang an nur die Bereitschaft, es immer wieder zu probieren, dranzubleiben und zu vertrauen, dass das Training irgendwann zur Gewohnheit wird.
Nein sagen ohne schlechtes Gewissen
Am Anfang hatte ich fast immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich ‚Nein' gesagt habe. Es fühlte sich an, als hätte ich etwas Verbotenes getan. Und das, obwohl ich nur ehrlich zu mir selbst gewesen bin.
Diese 7 Tipps können Dir helfen, leichter Nein zu sagen.
1. Wertschätzend Nein sagen
Eine große Wende kam, als ich mehr und mehr Mitgefühl und Verständnis für diejenigen entwickelte, zu denen ich „Nein" sagte. Du kannst Deinem Gegenüber zum Beispiel sagen:
- „Ich verstehe, dass Du Dir ein Ja gewünscht hättest."
- „Ich verstehe, dass mein Nein Dich vor eine Herausforderung stellt."
Meine Erfahrung ist, wenn ich so offen bin, begegnen mir andere immer öfter verständnisvoll und warmherzig.
2. Nimm Dich mental selbst in den Arm
Als Mutter hatte ich oft das Gefühl, dass es einfach meine Aufgabe wäre, einzuspringen, obwohl niemand das je so von mir verlangt hatte. Vielleicht kennst Du das auch?
Mit der Zeit habe ich gespürt, dass das schlechte Gewissen daher kam, dass ich es nicht gewohnt war, meine eigenen Bedürfnisse genauso ernst zu nehmen wie die der anderen.
Also stellte ich mir vor, dass ich mich selbst ganz fest in die Arme nahm, wenn ich bei einem „Nein" mal wieder am liebsten weggelaufen wäre. Probier das doch auch gerne mal aus!
3. Bleib bei Deinem Nein
Vielleicht kennst Du das, kaum hast Du „Nein" gesagt, kommt schon der nächste Versuch, Dich umzustimmen. Ich habe gelernt, dass mein „Nein" ein „Nein" ist. Zumindest so lange, bis ich selbst spüre, dass sich etwas verändert hat und ich doch gerne „Ja" sagen möchte.
Als eine Freundin mich dreimal fragte, ob ich sie nicht doch zum Flughafen bringen könnte, blieb ich freundlich, aber klar bei meinem „Nein". Ich hatte damals kleine Kinder, und die wollte ich nicht mitten in der Nacht wecken.
4. Biete einen Kompromiss an
Manchmal mögen wir vielleicht nicht wirklich Nein sagen, sondern sagen es nur zu dem Zeitpunkt oder der Art, wie gefragt wurde. Dann können wir einen Vorschlag für einen Kompromiss machen, der sich für uns gut anfühlt.
Statt zu backen, habe ich mal angeboten, Servietten, Zucker und Milch für den Kuchenverkauf zu organisieren.
5. Sprich Dein Nein aus, ohne Dich zu erklären
Du darfst Nein sagen, ohne eine lange Begründung dafür zu liefern. Ein einfaches „Das passt mir gerade nicht" reicht oft aus. So mache ich es inzwischen auch bei spontanen Einladungen, zu denen ich ein „Nein" spüre.
6. Achte auf Deine eigene Kapazität
Wie wäre es, wenn Du Dich fragst, wie viel Kraft und Zeit Du gerade wirklich hast, bevor Du antwortest? Bei mir hilft oft ein kurzer Blick auf die Woche, die vor mir liegt, das genügt schon, um zu spüren, ob noch Platz für etwas Neues ist.
7. Nimm das Nein anderer nicht persönlich
So wie Du Deine Gründe dafür hast, „Nein" zu sagen, so haben es andere auch. Vielleicht würden sie gerne helfen, aber sie haben gerade nicht die Zeit oder schon etwas anderes zu tun. Das „Nein" gilt Deiner Bitte um Unterstützung, aber nicht Dir als Mensch.
In meinem Podcast „Die Magie der Seele" teile ich weitere persönliche Erfahrungen dazu, wie mir das Nein sagen leichter gefallen ist.
Manchmal ist ein Nein irgendwie auch ein Ja
Ein „Nein" ist ein Weg, für Dich selbst einzustehen. Wenn Du ehrlich zu Dir selbst bist, traust Du Dich mit der Zeit auch, mutiger und ehrlicher zu anderen zu sein.
Ein „Ja", das eigentlich ein „Nein" ist, fühlt sich für den anderen oft halbherzig an, auch wenn er es vielleicht gar nicht benennen kann. Wenn Du dagegen wirklich „Ja" sagst, weil Du „Ja" meinst, spürt der andere die Echtheit Deiner Worte. Das kann Eurer Verbindung sogar eine tiefere Qualität schenken.
Häufige Fragen zum Nein sagen
Beim Nein sagen tauchen oft ganz ähnliche Unsicherheiten auf, auch wenn sich jede Situation anders anfühlt. Vielleicht können Dir die folgenden Antworten helfen, klarer zu sehen und Dir selbst mehr zu vertrauen.
Warum ist es wichtig, Nein zu sagen?
Ein „Nein" ist ein Weg, Deine Grenzen zu spüren und sie kenntlich zu machen. Es zeigt, dass Du Deine eigenen Bedürfnisse genauso ernst nimmst wie die der anderen.
Wenn Du merkst, dass Dir das Ziehen von Grenzen insgesamt noch schwerfällt, nicht nur beim Nein sagen, findest Du dazu auch in meinem Beitrag Grenzen setzen weitere Impulse.
Was, wenn mein Nein jemanden enttäuscht?
Es kann sein, dass Dein „Nein" jemanden im ersten Moment enttäuscht. Du kannst es nicht immer allen Menschen recht machen. Vielleicht kannst Du einen Kompromiss vorschlagen. Beispielsweise: „Ich kann nicht den ganzen Abend helfen, aber ich könnte bei den Vorbereitungen helfen."
Was kann ich tun, wenn ich noch nicht weiß, ob ich "Ja" oder "Nein" sagen möchte?
Wenn Du Dir unsicher bist, kannst Du Dir Zeit nehmen, um Deine Entscheidung reifen zu lassen, bevor Du antwortest. Auch ein Apfel braucht Monate, um reif zu werden. Diese Zeit der Reife gönnen wir Menschen uns selten.
Was tun, wenn ich Druck spüre, sofort zu antworten?
Auch wenn jemand eine schnelle Antwort erwartet, musst Du nicht sofort antworten. Ein Satz wie „Ich möchte kurz darüber nachdenken und gebe Dir später Bescheid" nimmt Druck und schenkt Freiraum.
Möchtest Du die Verbindung mit Dir noch intensiver spüren?
Dich selbst wieder wichtiger zu nehmen, beginnt oft im Kleinen. Beispielsweise mit einem Moment, in dem Du innehältst und Dich fragst: Wie geht es mir gerade? Was brauche ich? Und was ist mir wirklich wichtig?
Genau dabei begleiten Dich auch die sieben magischen Perlen. Sie sind ein Auszug aus meinem Buch „50 Perlen für Dich“ und schenken Dir wegweisende Impulse, um immer wieder zu Dir selbst zurückzufinden.
Ich fasse das Wichtigste noch mal zusammen
Hinter dem Ja-Sagen können ganz unterschiedliche Beweggründe stecken:
- die Angst vor Ablehnung,
- das Bedürfnis nach Harmonie,
- der Wunsch, gebraucht zu werden,
- oder das Gefühl, eine bestimmte Rolle, z. B. die Mutterrolle, erfüllen zu müssen.
Mit der Zeit kann aus dem Ja-Sagen ein Automatismus werden.
Wie jeder Muskel lässt sich auch das Nein-Sagen trainieren. Ein schlechtes Gewissen ist erst einmal verständlich. Es löst sich auf, wenn wir uns selbst und auch den anderen Beteiligten mit Mitgefühl und Wertschätzung begegnen.
Ich wünsche Dir, dass Du das „Ja" oder „Nein" in Dir klar und deutlich spürst, und dann auch den Mut hast, zu Dir und Deinen Empfindungen zu stehen.
Von Herzen
Deine


