Selbstsicherheit trotz Unsicherheit, ist das möglich?
Selbstsicherheit ist auch dann möglich, wenn Unsicherheit da ist. Sie entsteht nicht durch das Verschwinden von Zweifeln, Ängsten oder Befürchtungen, sondern durch einen liebevollen Umgang damit.
In diesem Beitrag erkläre ich, warum Unsicherheit viel mit früheren Erfahrungen, Erwartungen anderer und mit inneren Schutzmechanismen zu tun hat.
Du hast die Wahl, ob Du diesen Beitrag lesen oder hören möchtest. Ganz gleich, wofür Du Dich entscheidest: Ich wünsche Dir eine inspirierende Zeit.
Viele Menschen sehnen sich nach Selbstsicherheit
Nach diesem inneren Gefühl von Standhaftigkeit und auch Unumstösslichkeit. Nach dem Empfinden: „Ich bin stabil, komme was wolle.“
Doch im Leben kommt es manchmal anders, als wir es uns wünschen. Für mich ist Unsicherheit eine Einladung vom Leben, noch sicherer zu werden. Natürlich rufe ich nicht „Juhuu“, wenn ich in einer Situation überfordert bin und das Empfinden habe, dass der Boden unter meinen Füßen schwankt. Ich mag auch nicht das Gefühl, festzustecken, weil ich nicht weiß, wie ich mich entscheiden soll. Die richtige Entscheidung zu spüren, wenn ich die Konsequenzen einer Entscheidung nicht absehen kann, finde ich alles andere als leicht.
Doch eines habe ich im Laufe der Jahre verinnerlicht: Das Leben ist nicht gegen mich. Es ist für mich und lädt mich immer wieder ein, über mich selbst hinauszuwachsen. Mit jeder Entscheidung, die ich treffe, werde ich sicherer. Jede Situation, durch die ich mich zuerst überfordert fühlte, und dann trotzdem gemeistert habe, hat mich stabiler werden lassen.
Vielleicht kennst Du diese Momente
Du sitzt in einer Runde, jemand stellt eine Frage, und Du spürst, dass Du etwas sagen möchtest. Doch in Dir wird es still. Dein Herz schlägt schneller. Ein Gedanke taucht auf: „Was, wenn das was ich sagen möchte, nicht passt?“
Und noch bevor Du Dich entschieden hast, etwas zu sagen, spricht ein anderer. Vielleicht sagt er sogar das, was Du sagen wolltest und erntet dafür bewundernde Blicke und wertschätzende Kommentare.
Nehmen wir noch ein Beispiel: Du möchtest jemanden anrufen, um etwas zu klären. Du nimmst das Handy in die Hand, zögerst, ob es wirklich richtig ist, das Thema anzusprechen und legst Dein Handy dann doch wieder weg. Deshalb, weil Du so gerne das Richtige tun möchtest und nicht weißt, ob das, was Du sagen möchtest, auch wirklich das Richtige ist.
Kennst Du solche Momente?Selbstsicherheit und Unsicherheit, sind das wirklich Gegensätze?
Selbstsicherheit und Unsicherheit schließen sich nicht aus. Unsicherheit ist oft ein Schutzmechanismus, Selbstsicherheit der liebevolle Umgang damit.
Selbstsicherheit wird oft als etwas verstanden, das man haben muss. Als innere Stärke, als Souveränität, als das sichere Auftreten nach außen. Unsicherheit hingegen gilt schnell als Mangel. Als etwas, das nicht gut ist und weg muss.
Hast Du auch schon mal die unperfekte Stelle eines Weihnachtsbaumes so hingedreht, dass sie nicht sichtbar war?
Ich komme wieder zurück zur Unsicherheit. Wenn wir tiefer schauen, zeigt sich häufig, dass Unsicherheit nicht grundlos entsteht. Sie bildet sich durch Erfahrungen.
Hast Du Lust, tiefer zu schauen und die Unsicherheit aus einer mitfühlenden Sicht zu betrachten?Unsicherheit kann eine Erinnerung des Körpers sein
Viele Unsicherheiten haben ihre Wurzeln nicht im Hier und Jetzt, sondern in früheren Momenten. Beispielsweise in Zeiten, in denen etwas zu viel war. Aus Situationen, in denen wir nicht wussten, was oder wie wir etwas tun sollten. Was ich im Nachhinein besonders bitter finde sind die Situationen, in denen etwas von mir erwartet wurde, ich etwas können sollte, was mir nie erklärt wurde.
Unser Körper speichert solche Erlebnisse nicht als Erinnerung im Kopf, sondern als Gefühl. Beispielsweise als innere Spannung, als Ängstlichkeit oder auch als inneres Zurückweichen.
Spürst Du, dass in solchen Momenten Unsicherheit nicht aus einer Schwäche heraus entsteht, sondern als Schutz?
Als ein inneres Zurückziehen, wenn etwas zu viel ist. Wir ziehen uns zurück, um nicht wieder überfordert zu werden. Auch peinliche Momente wollen wir vermeiden. Genauso wie die Empfindung alleine dazustehen.
Und gleichzeitig wirkt Unsicherheit nicht nur aus dem heraus, was wir selbst erlebt haben. Oft kommt noch etwas von außen hinzu.
Wenn Erwartungen anderer Unsicherheit nähren
Ein weiterer Ursprung von Unsicherheit sind die Erwartungen anderer. Das gilt für Ausgesprochene Erwartungen genauso wie unausgesprochene.
Wenn wir immer wieder hören:
„Das solltest Du wirklich können.“
„Das kann man doch wohl erwarten.“
„So schwer ist das nicht.“
Diese Sätze oft und/oder auch in einer bestimmten Lautstärke zu hören, wirkt einschüchternd.
Ich gebe Dir ein Beispiel. Vielleicht hast Du so etwas oder Ähnliches ja auch schon mal erlebt: Jemand steht hinter Dir, während Du etwas erklärst oder erledigst. Er sagt nichts Böses. Aber er schaut genau zu. Kommentiert mit einem knappen „Mhm“. Oder korrigiert Dich sofort.
Wie geht es Dir in so einer Situation? Wirst Du schneller? Vielleicht nervös? Kann es sein, dass Du Dich verhaspelst? Nicht, weil Du es nicht kannst, sondern weil Du Dich beobachtet und bewertet fühlst.
Wenn wir uns eingeschüchtert fühlen, nehmen wir uns oft zurück, werden leiser oder glauben sogar dann, etwas falsch zu machen, wenn wir gar nichts falsch gemacht haben. Das tut weh und verunsichert.
Das, was schmerzt ist das Gefühl, abgewertet zu werden. Bei mir war es auch so. Durch die Abwertungen habe ich mich gefühlt wie ein Mängelexemplar. Nicht ganz richtig. Nicht in Ordnung. Und was war das Resultat? Ich habe begonnen, mich an anderen, deren Meinungen und Maßstäben zu orientieren.
Hast Du auch schon mal gedacht, dass andere besser wissen, was richtig ist? Wenn wir das glauben, dann verlieren wir uns selbst aus dem Blick und können uns mit der Zeit nicht mehr wahrnehmen.
Wenn es so ist, dann entsteht Unsicherheit nicht aus Unvermögen, sondern aus Anpassung. Und manchmal kommt zu dieser unbewussten Anpassung noch etwas hinzu. Die Art bzw. die Überzeugungskraft, mit der andere uns begegnen.
Wie Dominanz Unsicherheit auslösen kann
Manche Unsicherheit entsteht auch im Kontakt mit Menschen, die dominant sind. Dominanz kann sich durch Überheblichkeit, Ungeduld, Abwertung oder auch Machtausübung zeigen.
Viele reagieren darauf nicht mit Widerstand, sondern mit Rückzug. Sehr oft deshalb, weil sie spüren, dass der dominante Mensch sie nicht wahrnimmt, ihnen vielleicht die Worte im Mund umdreht und sich auch nicht für sie und ihre Empfindungen interessiert.
Wenn Unsicherheit auf Erfahrungen durch Dominanz basiert, dann kann der Rückzug erst mal ein Schutz sein. So, wie sich ein verletztes Tier ins Dickicht zurückzieht, ziehen wir Menschen uns auch zurück, wenn wir verletzt sind.
Ist Rückzug ein Zeichen von Schwäche?
Rückzug ist selten ein Zeichen von Schwäche. Meist ist es ein Sehnen nach Schutz, der nur dann destruktiv wirkt, wenn er zur Gewohnheit wird.
Im ersten Moment kann es sich erleichternd anfühlen, sich zurückzuziehen. Stell Dir vor, Du bekommst eine Nachricht. Der Ton ist kurz. Hart. Fast wie ein Befehl. Ohne Gruß.
Wie geht es Dir in so einer Situation? Spürst Du Unsicherheit? Trotz? Schiebst Du die Nachricht innerlich erst mal weg, weil Du nicht weißt, wie Du reagieren kannst, willst oder sollst?
Auch das ist Rückzug als Schutz. Rückzug beschützt uns kurzfristig vor weiteren Übergriffen, vor erneuter Überforderung, vor dem Gefühl, wieder übersehen, nicht geachtet oder übergangen zu werden. Das Gefühl, „Ich brauche jetzt Abstand.“ ist vergleichbar mit Notwehr.
Und doch kann diese Form von Schutz mit der Zeit zur Belastung werden. Beispielsweise dann, wenn es zur Gewohnheit geworden ist, sich zurückzuziehen, wenn sich eine Situation schwer oder überfordernd anfühlt. Dann ist Rückzug möglicherweise keine bewusste Entscheidung, sondern eine Entscheidung aufgrund von früheren Erfahrungen.
Möglicherweise ist der Schreck über das dominante Verhalten noch im Energiesystem gespeichert. Und immer dann, wenn jemand klar, deutlich und vielleicht auch fordernd spricht, reagiert etwas in uns, als wäre die alte Situation wieder da, und wir fühlen uns klein.
D. h., was einst geholfen hat, kann später beginnen, das eigene Leben schwerer zu machen. Deshalb, weil der Schutz aufrechterhalten wird, auch wenn die ursprüngliche Gefahr längst vorbei ist.
In solchen Fällen ist der Rückzug kein wirklicher Schutz mehr, sondern eine Begrenzung. Du kannst Dir den Schutz wie eine Wand vorstellen, hinter der sich jemand versteckt. Zuerst ist die Wand wirklich ein Schutz, doch mit der Zeit behindert sie uns.
Ist Selbstsicherheit trotz Unsicherheit möglich?
Selbstsicherheit zeigt sich nicht darin, nie mehr unsicher zu sein. Sondern darin, nicht mehr gegen die Unsicherheit anzukämpfen.
Vielleicht bedeutet Selbstsicherheit, damit im Frieden zu sein, wenn Du unsicher bist. Wenn Du Dich nicht verurteilst, weil Du zögerst oder zweifelst. Wenn Du milde mit Dir bist und freundlich mit Dir umgehst, wenn Du unsicher bist. Dir selbst mehr zu glauben und Deinem Gefühl mehr zu vertrauen als dem, was andere Dir sagen oder von Dir erwarten, ist auch wertvoll.
Sicherheit ist keine Endstation. Momente der Unsicherheit gehören genauso zum Leben dazu, wie das Gefühl, auch in der Unsicherheit sicher zu sein.
Selbstsicherheit entsteht nicht dadurch, dass Unsicherheit verschwindet, sondern dadurch, dass Du Dir selbst liebevoll begegnest. Besonders dann, wenn Du unsicher bist.
Selbstsicherheit entsteht im Gehen
Sie entsteht viel öfter in kleinen, zuerst unsicheren Bewegungen. In Momenten, in denen wir uns überwinden etwas zu tun, auch dann, wenn Zweifel da sind. In Augenblicken, in denen wir uns etwas zutrauen, obwohl wir am liebsten weglaufen würden.
Jeder noch so kleine Schritt ist ein Fort-Schritt. Auch der, der wackelig ist.
Vielleicht hast Du schon mal gesehen, wie ein Kind Laufen lernt. Es steht auf, fällt hin, steht wieder auf. Die Schritte sind unsicher. Manchmal stolpert das Kind und landet auch mit allen Vieren auf dem Boden. Und trotzdem ist jeder einzelne Schritt ein Wunder. Niemand würde dem Kind sagen, dass es sich endlich zusammenreißen soll. Im Gegenteil, wir freuen uns über jeden einzelnen Schritt.
Genau diese Haltung dürfen wir auch uns selbst gegenüber entwickeln. Uns freuen, wenn wir uns überwunden haben und etwas getan haben, was uns anfangs schwerfiel. Auch dann, wenn wir uns getraut haben, etwas anzusprechen. Und ganz besonders dann, wenn wir uns etwas zugetraut haben, das uns Überwindung gekostet hat.
Selbstsicherheit entsteht nicht dadurch, dass wir hart und streng mit uns sind. Sie entsteht dann, wenn wir uns in Momenten der Unsicherheit selbst an die Hand nehmen und uns zur Seite stehen. Wenn wir uns ermutigen, statt antreiben und uns selbst das Gefühl schenken: Komme was wolle, ich bin für mich da.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es genau diese liebevolle Art ist, die es möglich macht, selbstsicherer zu werden. Und mit der Zeit kann es sogar sein, dass wir uns in Momenten, in denen wir unsicher sind, trotzdem sicher fühlen. In uns und mit uns, weil wir uns selbst beschützen, trösten oder ermuntern, wenn wir unsicher sind.
Möchtest Du Unsicherheit in Selbstsicherheit verwandeln?
Dafür habe ich Dir einige Affirmationen zusammengestellt:
- Auch wenn ich unsicher bin, begegne ich mir freundlich.
- Jeder noch so kleine Schritt ist ein Fort-Schritt.
- Ich erlaube mir, in meinem Tempo zu wachsen und zu reifen.
- Ich vertraue meinem Gefühl, auch wenn ich es mir nicht erklären kann.
- Ich bleibe bei mir, besonders dann, wenn ich innerlich weglaufen möchte.
Zum Abschluss die Essenz dieses Beitrags
Selbstsicherheit bedeutet nicht, frei von Unsicherheit zu sein. Sie wächst dort, wo wir beginnen, uns selbst in unseren Zweifeln liebevoll zu begegnen. Wenn wir verstehen, dass Unsicherheit oft ein Schutz ist, der aus Erfahrungen entstanden ist.
Selbstsicherheit entsteht, wenn wir aufhören, gegen uns zu kämpfen, sondern anfangen, an unserer Seite zu stehen. In kleinen Schritten. In echtem Mitgefühl. In einer Haltung, die sagt: Ich bin immer und unter allen Umständen für mich da.
Ich wünsche Dir, dass sich die Sicherheit in Dir immer weiter ausdehnt, wie die konzentrischen Wellen auf einem stillen See.
Von Herzen
Deine

P. S. Stell Dir vor, Du hättest jemanden an Deiner Seite, der für Dich da ist und Dich bei dem begleitet, was Du erreichen möchtest. Fühlt sich das gut an?
Dann bin ich für Dich da. Du musst nicht alles alleine machen. Ich schenke Dir gerne ein magisches Seelengespräch. Was hältst Du davon, wenn wir gemeinsam schauen, wie ich Dich unterstützen kann? Über den Button gelangst Du direkt in meinen Kalender und kannst Dir einen passenden Termin auswählen.
Ich freue mich auf das Gespräch mit Dir.

