Authentisch sein. Was es wirklich bedeutet
und warum es Mut braucht
Manchmal fällt es uns gar nicht leicht zu spüren, was wir wirklich möchten, brauchen oder fühlen. Vielleicht hast Du Dich auch schon gefragt, ob Du noch weißt, was wirklich Deins ist.
Was das mit authentisch sein zu tun hat, und wie der Weg zurück zu Dir selbst aussehen kann, das erfährst Du in diesem Beitrag.
Authentisch sein - Das Wichtigste in Kürze
Authentisch sein bedeutet, so zu handeln, wie Du es wirklich fühlst. Nicht so, wie andere es von Dir erwarten und auch nicht so, wie es sich im Moment einfacher anfühlt.
Das klingt selbstverständlich, und doch ist es das, womit viele Menschen innerlich ringen.
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Eine Situation von damals
Nach dem Pilatestraining sprach mich eine Trainingskollegin an. Ob wir mal gemeinsam mit unseren Hunden spazieren gehen wollen. Ich mochte sie und sagte Ja.
Etwa eine Woche später begegnete ich ihr und ihrer Hündin zufällig, als ich mit Josy, meiner Hündin, unterwegs war. Ihre Hündin bellte so intensiv, dass ich mich unwohl fühlte. Auch Josy war irritiert und wurde nervös.
In diesem Moment spürte ich, dass ich nicht mit ihr Spazierengehen wollte.
Es hat mich Mut gekostet, ihr das zu sagen. Ich mochte sie, und wollte sie nicht verletzen. Gleichzeitig spürte ich klar, dass ich keine Lust auf ein Experiment hatte, von dem ich nicht wusste, wie es ausgehen würde.
Nachdem ich ihr das gesagt hatte, war ich einerseits erleichtert, weil ich für Josy und für mich eingestanden bin. Andererseits war ich im Mitgefühl mit der Sportkollegin. Authentisch zu sein schützt uns nicht davor, andere zu enttäuschen.
Genau das ist authentisch sein, der kleine, alltägliche Augenblick, in dem Du spürst, was Du möchtest und dann auch danach handelst.
Was bedeutet es, authentisch zu sein?
Das Wort authentisch kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie echt, ursprünglich, wahrhaftig. Aber was heißt das im Alltag, wenn niemand zuschaut und keine große Entscheidung ansteht?
Authentisch sein bedeutet, dass das, was Du denkst, was Du fühlst und was Du tust, übereinstimmt. Dass Du nicht eine Version von Dir zeigst, die anderen gefällt, während Du innerlich etwas ganz anderes spürst.
Das klingt einfach. Und doch passiert es vielen Menschen täglich, dass sie sich ein bisschen verbiegen. Ein Ja, das eigentlich keines ist. Eine Meinung, die sie zurückhalten, weil sie nicht anecken wollen. Ein Gefühl, das sie herunterspielen, weil sie denken, dass sie zu viel sind.
Manchmal bedeutet authentisch sein auch, nichts zu sagen und still zu bleiben. Das kann eine besonders große Herausforderung sein, denn viele Menschen erwarten eine Reaktion in Form von Worten oder Taten. Auszuhalten, dass wir schweigen, braucht manchmal genauso viel Mut wie das Sprechen.
Authentisch sein bedeutet auch nicht, jeden Gedanken auszusprechen oder ungefragt alles mitzuteilen, was uns durch den Kopf geht. Manchmal ist es liebevoller, etwas für uns zu behalten oder den richtigen Moment abzuwarten. Authentizität zeigt sich nicht darin, dass wir alles sagen, sondern darin, dass das, was wir sagen, wirklich aus uns kommt.
Woran merkst Du, dass Du authentisch bist?
Authentisch zu leben beginnt oft damit, wieder zu fühlen, was in uns ist. Und das Schöne ist, je mehr wir unserer eigenen Wahrnehmung vertrauen, desto leichter wird es, authentisch zu handeln.
Manchmal ist es ein ganz feines Gefühl. Eine innere Stille, die entsteht, nachdem Du etwas gesagt oder entschieden hast. Kein Grübeln und auch kein Zweifel, sondern ein ruhiges zufriedenes Gefühl in Dir.
Authentisch zu sein fühlt sich oft wie Erleichterung an oder auch wie ein Ankommen in Dir selbst.
Vielleicht hast Du etwas gesagt, das wirklich Deins war. Möglicherweise hast Du eine Entscheidung getroffen, die sich stimmig angefühlt hat, oder Du hast Dich getraut und für Dich gesorgt.
Das Besondere daran ist, dass es sich auch dann richtig anfühlt, wenn es unbequem war. So wie in meiner Geschichte mit der Trainingskollegin. Die Absage war nicht leicht. Aber danach war da diese Erleichterung und das Gefühl, für mich und für Josy eingestanden zu haben.
Warum fällt es uns manchmal schwer, authentisch zu sein?
Es beginnt meist früh. Als Kinder lernen wir, dass es angenehmer ist, wenn andere zufrieden mit uns sind, und wir freuen uns, wenn uns ein Lächeln geschenkt wird. Viele machen die Erfahrung, dass sie Zuwendung bekommen, wenn sie sich anpassen.
Wir sind soziale Wesen, und der Wunsch, dazuzugehören und gemocht zu werden, ist tief in uns verwurzelt.
Es kann sein, dass wir uns aus dem Bedürfnis nach Liebe mit unserer Meinung zurückhalten oder auch uns kleiner machen, damit andere sich größer fühlen können.
Hast Du Dir schon mal die Frage gestellt: Warum fällt es mir so schwer, einfach so zu sein wie ich bin und das zu sagen, was in mir ist?
Es kann sein, dass wir gelernt haben, dass unsere Bedürfnisse weniger wichtig sind als die der anderen, oder wir stören, wenn wir laut sind und Spaß haben. Wenn es so war, sind wir beispielsweise zu dem Entschluss gekommen, dass es besser ist, wenn wir uns passend machen und unauffällig sind.
Das Gute ist, dass wir jederzeit unser Verhalten verändern können. Schritt für Schritt. Und je öfter wir es tun, desto vertrauter und normaler wird es sich anfühlen. Irgendwann braucht es weniger Mut und tut einfach gut.
Wenn Du spürst, dass Dir das Nein-Sagen manchmal schwer fällt, findest Du hier einen Beitrag, der Dir zeigt, wie Grenzen setzen gelingen kann, ohne dass Du Dich dabei schlecht fühlst. Grenzen setzen. Wie geht das eigentlich?
Was verändert sich, wenn wir authentisch leben?
Ich kenne die Ängste, die auftauchen, wenn man anfängt, sich zu fragen, ob man wirklich so sein darf, wie man ist. Die Angst vor Ablehnung. Die Sorge, nicht mehr dazuzugehören. Die Befürchtung, egoistisch zu wirken oder nicht verstanden zu werden.
Ich habe diese Ängste selbst gehabt und auch gespürt, was passiert, wenn man sich trotzdem immer weiter verstellt. Ich wurde trauriger und zog mich zurück. Ich merkte, dass es sich falsch anfühlte, wenn ich sagte, was ich nicht meinte, und verschwieg, was ich wirklich dachte. Irgendwann erkannte ich, dass ich unehrlich war. Und das wollte ich nicht.
Wenn wir uns über lange Zeit verstellen, kann es passieren, dass wir irgendwann den Kontakt zu uns selbst verlieren. Dass wir gar nicht mehr genau wissen, was wir wirklich möchten, weil wir so lange versucht haben, den Erwartungen anderer gerecht zu werden.
Also fasste ich den Entschluss, ehrlicher zu sein, mit mir selbst und mit anderen.
Was dann geschah, war anders als ich befürchtet hatte. Die Menschen wendeten sich weder ab, noch grenzten sie mich aus. Stattdessen erlebte ich etwas, das ich nicht für möglich gehalten hätte, Anerkennung, Wertschätzung und eine Herzlichkeit, die sich anfühlt wie eine weiche Kuscheldecke an einem verregneten Tag.
Authentisch zu leben bedeutet nicht, dass alle gut finden, was wir tun. Aber es bedeutet, dass die Menschen, die ein wirkliches Interesse an uns haben, dafür dankbar sind.
Wie Du zu Dir stehen und gleichzeitig authentisch bleiben kannst
Es gibt Momente, in denen es leichtfällt, authentisch zu sein. Beispielsweise wenn Du unter Menschen bist, die Dich kennen oder wenn niemand da ist, der etwas von Dir erwartet.
Und dann gibt es auch die anderen Momente. Zum Beispiel dann, wenn jemand auf eine Weise reagiert, die Du nicht erwartet hast oder Du spürst, dass Deine Meinung nicht willkommen ist. In solchen Situationen können wir in die Versuchung kommen, einfach nachzugeben.
Zu Dir zu stehen bedeutet nicht, stur zu sein oder auf Dein Recht zu beharren. Es bedeutet, Deine Wahrnehmung sowie Dein Gefühl ernst zu nehmen und Deine Grenzen anzuerkennen. Zu Dir zu stehen bedeutet, für Dich einzustehen. Für das, was Du fühlst, was Du brauchst und was Dir wichtig ist.
Es braucht Übung und auch Mitgefühl mit Dir selbst. Ganz besonders in den Momenten, in denen es nicht gelingt. Authentisch bleiben ist kein Zustand, den wir einmal erreichen. Das Leben lädt uns immer wieder ein, unsere Authentizität immer weiter auszudehnen.
Authentisch zu sein bedeutet auch, sich weiterzuentwickeln. Du darfst heute anders denken als gestern und Deine Meinung ändern. Das ist keine Wankelmütigkeit, sondern Entwicklung und gehört zur Authentizität.
In Folge 17 meines Podcasts "Die Magie der Seele" spreche ich darüber, was es bedeutet, ehrlich zu Dir selbst zu sein. Vielleicht magst Du mal reinhören.
Häufige Fragen rund ums Authentisch sein
Warum ist es positiv, authentisch zu sein?
Wenn wir einem Menschen begegnen, der authentisch ist, spüren wir das sofort. Es entsteht Vertrauen und eine Bewegung im Herzen. Wir müssen nicht rätseln, was er wirklich meint oder denkt. Was er sagt oder tut, entspricht dem, was er fühlt.
Authentisch zu sein ist ein Ausdruck von Achtung, Dir selbst und auch den Menschen gegenüber, mit denen Du in Kontakt bist. Sie erleben Dich als nahbar, verlässlich und als jemanden, dem sie vertrauen können.
Authentisch zu sein ist deshalb nicht nur etwas, das Dir selbst guttut. Es ist auch eine Wohltat für die Menschen um Dich herum.
Wie merkt man, ob jemand authentisch ist?
Oft spüren wir es, bevor wir es benennen können. Es ist dieses Gefühl, dass jemand wirklich da ist. Wir fühlen uns verbunden und das, was gesagt wird, berührt uns. Es fühlt sich stimmig an. Wir fühlen uns angesprochen.
Authentische Menschen wirken nicht perfekt. Sie wirken echt, sagen auch mal, dass sie etwas nicht wissen und stehen dazu, wenn ihnen etwas wichtig ist. Sie verstellen sich nicht, um zu gefallen oder dazuzugehören.
Und manchmal merken wir es erst im Nachhinein. Nach einem Gespräch, das sich ungewöhnlich leicht angefühlt hat oder nach einer Begegnung, bei der wir uns selbst gestärkt und wohler fühlen.
Wie fühlt es sich an, wenn jemand nicht authentisch ist?
Das spüren wir meist schnell. Irgendetwas stimmt nicht, auch wenn wir nicht genau sagen können, was. Es taucht ein Gefühl auf, dass zwischen dem, was jemand sagt, und dem, was er wirklich meint, eine Lücke ist.
Wir fühlen uns nicht wirklich angesprochen. Das Gespräch ist nett, aber es berührt uns nicht. Es ist ein bisschen wie Suppe ohne Salz.
Wichtig ist es, nicht zu urteilen, wenn wir das Gefühl haben, dass jemand nicht authentisch ist. Vielleicht verstellt er sich, weil er sich unsicher fühlt, weil er Angst hat, abgelehnt zu werden, oder weil er gelernt hat, dass es sicherer ist, sich anzupassen.
Ich fasse das Wichtigste noch einmal zusammen
Authentisch sein ist eine innere Haltung, die wir Tag für Tag weiter ausbilden können. Manchmal braucht es dafür Mut, manchmal bedeutet es auch, still zu bleiben und nichts zu sagen.
Es kann vorkommen, dass wir versucht sind, uns zu verbiegen, weil wir dazugehören und gemocht werden wollen. Das ist menschlich, und gleichzeitig hat es einen hohen Preis. Es kostet uns unsere Energie, unsere Freude und die Verbindung zu uns selbst.
Wenn wir anfangen, authentischer zu leben, verändert sich etwas, und die Menschen, die wirklich an uns interessiert sind, spüren es. Wir selbst spüren es auch, als eine sanfte Erleichterung und Ankommen in uns selbst.
Ich wünsche Dir, dass Du immer den Mut hast, authentisch zu sein und milde mit Dir bist, wenn es Dir mal schwer fällt.
Von Herzen
Deine

P.S. Es gibt Momente im Leben, in denen es uns schwer fällt, authentisch zu sein. Ich kenne diese Momente gut. Mein Weg zurück zu mir war gesäumt von Versuchen und Irrtümern, von Hinfallen und wieder Aufstehen und auch von vielen schönen Momenten.
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