Portrait von Martina Eyth mit Hinweis auf ihren Podcast „Die Magie der Seele“ und den Blog „Der Zauber des Lebens“

Perfektionismus ablegen,
ist das wirklich richtig? 

Kennst Du schon die unperfekten Momente, die sich perfekt anfühlen? Perfektionismus, was macht dieses Wort mit Dir? Löst es Anspannung in Dir aus oder Stolz?

Perfektionismus hat zwei Seiten, so wie eine Münze. Die eine Seite kann bedeuten, dass Du Dich unwohl fühlst und Deinen Perfektionismus ablegen willst. Doch es gibt auch die andere Seite der Münze, eine, die sich richtig gut anfühlen kann.

Woher Perfektionismus kommt, wann er Dir dienlich ist, wann er schadet und wie wir die Angst dahinter Schritt für Schritt ablegen können, erfährst Du in diesem Beitrag.

Perfektionismus ablegen – Das Wichtigste in Kürze

Perfektionismus ist nicht grundsätzlich etwas Negatives. Schwierig wird es, wenn hinter dem Anspruch die Angst steckt, nicht richtig oder nicht gut genug zu sein.

Perfektionismus kann auch ein Ausdruck von Hingabe, Sorgfalt und hohem Anspruch an Dich selbst sein.

Was im ersten Moment unperfekt erscheint, kann später eine ganz besondere Wirkung entfalten und dadurch perfekt sein.

Schau Dir gerne das Inhaltsverzeichnis an. Die Überschriften sind klickbar, damit Du direkt zu dem Abschnitt springen kannst, der Dich gerade am meisten anspricht.

Eine Situation von damals

Es war ein Samstagnachmittag. Meine Töchter und ich wollten zu einer Geburtstagsfeier fahren. Im Flur, auf dem Schränkchen, stand schon die Himbeer-Philadelphiatorte für das Geburtstagskind bereit.

Beim Anziehen der Jacke verlor meine Tochter das Gleichgewicht. Sie konnte sich gerade noch mit einer Hand auf dem Schränkchen abstützen, während die andere Hand leicht die Torte berührte. Du ahnst vielleicht, wie mir die Gesichtszüge entgleist sind. Zum einen, weil ich mich erschrocken habe und um meine Tochter besorgt war. Zum anderen, weil auf der Torte jetzt eine ganz besondere Dekoration war, ein Handabdruck.

In diesem Moment war ich in einem Zwiespalt. Auf der einen Seite zeterte mein innerer Perfektionist, dass ich die Torte so nicht mehr verschenken könnte. Und natürlich hätte ich lieber eine "schön" dekorierte Torte gehabt, so wie ich es geplant hatte. Auf der anderen Seite war es einfach menschlich, was passiert ist.

Ich überlegte, ob ich die Torte überhaupt mitnehmen sollte

Eine Hand kann ja auch schmutzig sein, dachte ich, und was, wenn die anderen Gäste das unhygienisch finden. Gleichzeitig wollte ich nicht, dass sich meine Tochter wegen eines kleinen Missgeschicks beim Anziehen der Jacke schlecht fühlt. Also nahm ich die Torte mit, so wie sie war.

Die anderen Gäste fanden die Dekoration originell und freuten sich, dass ich die Torte trotzdem mitgebracht habe. Es ist übrigens kein Stück der Torte übrig geblieben.

Was im ersten Moment wie ein kleines Unglück wirkte,
wurde zu Gesprächsstoff und so manchem Lacher

Besonders berührt haben mich die Gäste, die sagten, sie hätten sich das nicht getraut, jedenfalls nicht bis zu diesem Zeitpunkt. In Zukunft wollten sie selbst mutiger sein.

Genau das meine ich, wenn ich von den zwei Seiten der Münze spreche. Die eine Seite von mir hätte am liebsten die Torte zu Hause gelassen. Die andere Seite hat mich erleben lassen, was passiert, wenn wir das Unperfekte auch schätzen.

Die Torte war nicht perfekt, aber das, was durch sie entstanden ist, war genau richtig.

Woher kommt Perfektionismus, wie entsteht er?

Die Ursachen und Wurzeln von Perfektionismus können bis in die Kindheit zurückreichen. Vielleicht hast Du früh die Erfahrung gemacht, dass Lob und Zuwendung an Leistung geknüpft waren oder Fehler häufig kritisiert wurden. Aus solchen Erfahrungen kann mit der Zeit ein innerer Antreiber wachsen, der uns bis heute begleitet.

Manchmal spielt auch die eigene Veranlagung eine Rolle. Manche Menschen bringen von Geburt an eine feinere Wahrnehmung oder ein natürliches Bedürfnis nach Ordnung mit, das sich im Zusammenspiel mit bestimmten Erfahrungen zu Perfektionismus entwickeln kann.

Perfektionismus ist selten ein Charakterzug, den wir uns ausgesucht haben

Meist ist er eine Antwort auf ein Bedürfnis, das damals ungestillt geblieben ist,
das Bedürfnis, sich richtig, gesehen und liebenswert zu fühlen.

Entscheidend ist nicht, genau zu wissen, woher der Perfektionismus kommt. Vielmehr geht es darum, mit ihm in Frieden zu sein.

Wann Perfektionismus dienlich ist und wann er schadet

Perfektionismus wird oft in einem Atemzug mit Stress, Erschöpfung und Selbstkritik genannt. Und ja, das kann er auslösen. Aber das ist nur eine Seite der Münze. Die andere Seite zeigt sich, wenn wir mit Hingabe an etwas arbeiten, weil es uns am Herzen liegt oder wir Sorgfalt in etwas hineinlegen, weil wir es lieben und nicht einfach nur abhaken wollen.

Der Unterschied liegt nicht im Perfektionismus selbst, sondern in dem, was dahintersteckt. Handeln wir aus Freude an der Sache, oder handeln wir aus der Angst, nicht richtig oder nicht gut genug zu sein? Genau diese Angst und die daraus entstehenden Befürchtungen können uns erschöpfen und uns das Gefühl geben, hilflos zu sein.

Vielleicht kennst Du beide Seiten. Momente, in denen er Dich gelähmt hat, weil ein Fehler unverzeihlich erschien und auch Momente, in denen Dein Anspruch Dich beflügelt hat.

Wenn Perfektionismus zur Belastung wird

Es gibt einen Punkt, an dem aus hohem Anspruch etwas anderes wird. Der Übergang ist oft schleichend, sodass wir ihn selbst lange nicht bemerken.

Woran wir erkennen können, dass Perfektionismus zur Belastung wird:

· Wir fühlen uns erschöpft, obwohl die Aufgabe von außen betrachtet gar nicht      so groß erscheint
· Ein Fehler, der eigentlich klein ist, beschäftigt uns stundenlang
· Wir schieben etwas immer wieder auf oder beginnen gar nicht erst, weil wir
  befürchten, unseren eigenen Vorstellungen nicht gerecht zu werden
· Wir trauen uns nicht, etwas abzugeben oder zu zeigen, solange es nicht "fertig
  genug" ist
· Pausen fühlen sich an wie etwas, das wir uns erst verdienen müssen

Manchmal meldet sich auch der Körper 

Die Belastung kann sich beispielsweise durch Verspannungen, Schlafstörungen oder eine innere Unruhe zeigen, die sich kaum abschalten lässt. Manche beschreiben es so, dass Perfektionismus sie regelrecht krank macht. Das ist ein Zeichen, genauer hinzuschauen und kein Grund, noch höhere Ansprüche an sich selbst zu stellen.

Die Angst hinter dem Perfektionismus verstehen

Kennst Du das auch, dass es gar nicht um die Aufgabe selbst geht? Eine E-Mail soll dann nämlich nicht nur verständlich sein, sondern davor schützen, falsch verstanden oder beurteilt zu werden. Eine Entscheidung soll nicht nur gut sein, sondern möglichst jede Gefahr einer Fehlentscheidung ausschließen.

In solchen Momenten kann es uns helfen, kurz innezuhalten und uns zu fragen: „Was befürchte ich?"

Vielleicht taucht die Sorge auf, nicht ernst genommen, kritisiert oder abgelehnt zu werden. Vielleicht fühlt sich eine Fehlentscheidung sogar so an, als würde sie etwas über unseren Wert aussagen. Dabei beschreibt sie einen einzelnen Moment, der nichts über uns als Mensch aussagen kann.

Kennst Du die Angst vor Fehlern auch? Dann findest Du in Folge 47 Angst, Fehler zu machen – Mach Dich frei davon! meines Podcasts weitere Impulse dazu.

Wir müssen unseren Perfektionismus nicht bekämpfen

Perfektionismus ist vermutlich nicht entstanden, um uns zu schaden. Vielleicht wollte er uns mal vor Kritik, Ablehnung oder dem Gefühl schützen, nicht zu genügen.

Der perfektionistische Anteil in uns darf erfahren, dass wir inzwischen auch dann wertvoll sind, wenn uns nicht alles gelingt.

Es geht aber auch nicht darum, gleichgültig zu werden oder unsere Sorgfalt zu verlieren. Es geht darum, bewusst wählen zu können, wo wir uns mit ganzer Hingabe einbringen und wo nicht.

Wenn Du Dir selbst treu bleiben möchtest, auch dann, wenn nicht alles perfekt gelingt, dann findest Du hier einen interessanten Beitrag: Sich selbst treu bleiben. Was das wirklich bedeutet

Was sich verändert, wenn wir den Perfektionismus ablegen 

Wenn die Angst hinter dem Perfektionsanspruch nachlässt, kann sich nach und nach etwas verändern. Wir haben beispielsweise mehr Energie. Manche Aufgaben nehmen weniger Zeit in Anspruch, weil wir uns früher erlauben, sie so stehen zu lassen.

Fehler können ihren Schrecken verlieren. Sie werden zu dem, was sie eigentlich sind, ein Teil des Lebens, kein Beweis dafür, dass mit uns etwas nicht stimmt.

Auch in Beziehungen kann sich etwas verändern

Kennst Du das Gefühl, wenn jemand lacht, aber das Lachen Dich nicht wirklich erreicht? Vielleicht erleben andere etwas Ähnliches, wenn wir versuchen, uns hinter einer perfekten Fassade zu verstecken. Wenn wir uns trauen, uns auch mit unseren Ecken und Kanten zu zeigen, dann geben wir echter Nähe eine Chance.

4 Tipps, wenn Du Deinen Perfektionismus ablegen willst

Perfektionismus überwinden? Das ist gar nicht nötig. Ablegen lässt er sich auch nicht einfach so. Doch Schritt für Schritt können wir die Angst dahinter auflösen.

Im Folgenden teile ich Tipps, die mir selbst und auch den Menschen, die ich begleite, geholfen haben.

1. Überleg Dir, wofür Du Deine Kraft einsetzen möchtest?

Nicht jede Aufgabe braucht die gleiche Aufmerksamkeit. Manches darf mit großer Sorgfalt entstehen, während Du Dich bei anderem früher entscheiden darfst, es so stehen zu lassen. So bleibt Deine Kraft für das, was Dir wirklich am Herzen liegt.

Hast Du auch schon mal eine E-Mail zum dritten Mal umformuliert, obwohl die erste Version verständlich war? Deine Lebenszeit ist eines der wertvollsten Geschenke, die Du bekommen hast. Vielleicht tut Dir manchmal die Frage gut: „Wofür möchte ich meine Zeit investieren?"

2. Lass Dich auf kleine Unvollkommenheiten ein

Die Torte mit dem Handabdruck war nicht perfekt. Was sich dadurch entwickelt hat, dass ich sie trotzdem mitgenommen habe, hat nicht nur mir, sondern auch den anderen Gästen gutgetan.

Vielleicht möchtest Du bei einer kleinen Sache ausprobieren, anders damit umzugehen, als Du es normalerweise tun würdest. Dadurch kannst Du erleben, was tatsächlich geschieht, wenn nicht alles Deinen ursprünglichen Vorstellungen entspricht.

3. Sprich mit Dir wie mit einer guten Freundin

Wenn ein Fehler passiert, kann der erste Satz, den wir uns selbst sagen, vielleicht hart sein, möglicherweise so, dass er sich wie ein Stich anfühlt.

Stell Dir vor, eine Freundin würde Dir erzählen, dass ihr das passiert ist, was Dir passiert ist. Wie fühlt es sich in Dir an, wenn Du die Worte, die Du Deiner Freundin sagen würdest, Dir selbst sagst?

4. Setz Dir bewusst eine zeitliche Grenze

Du kannst im Vorfeld festlegen, wie viel Zeit Du einer Aufgabe geben möchtest. Wenn diese Zeit um ist, lasse die Aufgabe so wie sie gerade ist. Das mag sich zunächst ungewohnt anfühlen, fast so, als wäre etwas noch nicht vollkommen abgeschlossen. Doch mit der Zeit kann Dein Vertrauen in Dich und Dein Handeln wachsen. Daraus kann ein Gefühl von Freiheit entstehen.

Ich fasse das Wichtigste noch einmal zusammen

Perfektionismus muss nicht grundsätzlich verschwinden. Entscheidend ist, was hinter dem Anspruch steht. Entsteht er aus Freude, Liebe und Hingabe, kann er beflügeln. Wird er von der Angst begleitet, nicht richtig oder nicht gut genug zu sein, kostet er Kraft und nimmt die Leichtigkeit.

Vielleicht geht es deshalb weniger darum, den Perfektionismus abzulegen. Vielleicht dürfen wir vielmehr die Angst lösen, die manchmal mit ihm verbunden ist. Unsere Sorgfalt, unsere Hingabe und unser Blick für das Besondere dürfen bleiben. Und gleichzeitig dürfen wir erleben, dass wir auch dann richtig und wertvoll sind, wenn etwas unperfekt bleibt.

Ich wünsche Dir, dass Du Deine Hingabe bewahrst und gleichzeitig im Frieden damit sein kannst, wenn etwas einmal anders wird, als Du es Dir vorgestellt hast.


Von Herzen

Deine

P.S. Möchtest Du Dir selbst noch näher kommen und Dich besser verstehen? 

In meiner kostenfreien E-Mail-Reihe „Wahrnehmung ist mehr als ein Gefühl" findest Du sieben persönliche Impulse, die Dir helfen, Deiner inneren Stimme wieder mehr zu vertrauen und Dich selbst mit mehr Milde zu betrachten.

Möchtest Du mehr über die E-Mail-Reihe erfahren?

Möchtest Du wissen, wer hier für Dich schreibt?

Dein Glücksbringer - Der Onlinekurs für mehr Selbstliebe

Martina Eyth begleitet seit 2003 Menschen, die viel für andere da sind und sich selbst dabei aus dem Blick verloren haben.

Sie kennt diesen Weg aus eigener Erfahrung. Lange Zeit war sie mehr im Außen als bei sich selbst, hat funktioniert, sich angepasst und gespürt, dass etwas fehlt, ohne genau sagen zu können, was.

Der Wendepunkt kam, als sie begann, sich selbst wieder wahrzunehmen und sich Schritt für Schritt wieder näherzukommen.

Heute unterstützt sie Menschen dabei, sich selbst besser zu verstehen, wieder bei sich anzukommen und ihren eigenen Weg mit mehr Leichtigkeit und Vertrauen zu gehen.

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Kennst Du schon die kostenfreien Seelenbriefe?

Sie unterstützen Dich dabei, Ängste und Selbstzweifel hinter Dir zu lassen. Gleichzeitig helfen sie Dir, Dich selbst besser zu verstehen, Deine Seele deutlicher wahrzunehmen und Verbundenheit zu spüren. 

Als Dankeschön für Dein Vertrauen schenke ich Dir eine 7-teilige E-Mail-Reihe, die auf meinem Buch "50 Perlen für Dich" basiert. Die "Perlen" helfen Dir dabei, mehr Freude und Leichtigkeit zu erleben.

>
WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner